Interdisziplin?re Tagung 'Medical Humanities & Diversity Studies' (30. September 2025 bis 2. Oktober 2025)

Interdisziplin?re Konferenz der BaGraLCM “Medical Humanities & Diversity Studies - Intersektionen medizinischer und diversit?tskritischer Diskurse und multidimensionale Perspektiven auf K?rper, Psyche, Krankheit und Gesundheit in Literatur und Medien des 19. bis 21. Jahrhunderts” an der Otto-Friedrich-Universit?t Bamberg

Organisator:innen: Sofie Dippold; Susen Halank, M.A.; Tabea Lamberti, M.A.; Dr. Florian Lützelberger

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CfP & Bewerbung

CfP (Deutsch)

Die in sich bereits interdisziplin?r angelegten Felder der Medical Humanities und der Diversity Studies haben sich in den letzten Jahren verst?rkt miteinander verzahnt und einen Fokus auf die kulturellen und sozialen Dimensionen von Krankheit und Gesundheit (physisch wie psychisch und psychosomatisch) gerichtet. Davon zeugt beispielsweise auch die Geburt der noch jungen Disziplin der Gendermedizin, die zeigt, wie wichtig es ist, geschlechtsspezifische Unterschiede in medizinischen Diagnosen und Therapien zu berücksichtigen.

Diese Entwicklung l?sst sich auf weitere Kategorien sozialer Ungleichheit und Differenz erweitern. So zeigen Untersuchungen, wie tiefgreifend etwa race, class,disability oder Religionszugeh?rigkeit, also kulturelle, soziale und ?konomische Faktoren die medizinische Versorgung und das Verst?ndnis von Krankheit beeinflussen. Ein zentrales Schlagwort hierbei dürfte der weitverbreitete racial bias in der Medizin sein, der sich u. a. in Diagnosen und Behandlungsmethoden widerspiegelt. Damit verzahnt (aber auch für sich selbst stehend problematisch) ist auch die Kategorie class, da sozial benachteiligte Gruppen allzu h?ufig über schlechteren Zugang zu medizinischer Versorgung verfügen, oft zus?tzlich mit finanziellen Barrieren, mangelnder Gesundheitsbildung oder regionalen Aspekten und Fragen nach Zentrum und Peripherie verbunden (vgl. Kroll et al. 2017). 

In Literatur und Kunst werden diese komplexen Zusammenh?nge oft auf eindringliche Weise thematisiert, was ihre zentrale Bedeutung für das menschliche Erleben verdeutlicht. In Artefakten aller Arten und Gattungen er?ffnet sich damit ein breites Feld, um nach den Darstellungen von Krankheitserfahrungen u. ?. unter Berücksichtigung diverser Kategorien zu fragen. Bereits in historischer Perspektive lassen sich entsprechende Reflexe zuhauf erkennen, die jedoch im 19. und 20. Jahrhundert besonders zunehmen und an Komplexit?t gewinnen:

Im 19. Jahrhundert reflektieren Krankheiten wie Hysterie und Alkoholismus in der Literatur h?ufig gesellschaftliche Normen und Spannungen und fassen sie als Auspr?gung des Determinismus auf. Texte wie Charlotte Perkins Gilmans The Yellow Wallpaper (1892), George Eliots Middlemarch (1871/1872), ?mile Zolas L’Assommoir (1877) oder auch Tolstois Anna Karenina aus demselben Jahr beleuchten individuelle Krankheitserfahrungen als Resultate gesamtgesellschaftlicher Prozesse und bergen so auch eine sozialkritische Dimension.

Für das 20. Jahrhundert pr?gend ist etwa Thomas Manns Der Zauberberg (1924), in dem die Tuberkuloseerkrankung des Protagonisten unter anderem als Metapher für soziale und intellektuelle Entwicklungen steht. Toni Morrisons Beloved (1987) zeigt mit grausamem Nachdruck, wie die Traumata der Sklaverei in den K?rper und die Psyche der Protagonistin eingeschrieben bzw. -brannt sind, w?hrend Sylvia Plaths The Bell Jar (1963) psychische Gesundheit und Weiblichkeit in den Fokus nimmt oder die franz?sische littérature du sida, etwa Collard oder Guibert, Krankheit und sexuelle Stigmata behandelt.

Die Produktionen des 21. Jahrhunderts lassen die Vielschichtigkeit und Verflechtungen der Thematik noch deutlicher zutage treten, gerade auch durch das verst?rkte Bewusstsein der Gegenwartsgesellschaften für intersektionale Verflechtungen und multidimensionale Diskriminierung in allen Bereichen des Lebens: Exemplarisch zu nennen sind hier für die Gegenwartsliteratur Bernardine Evaristos Girl, Woman, Other (2019), Siri Hustvedts The Blazing World (2014) oder Annie Ernaux’ L’événement (2000).

Vor allem im Kontext der jüngsten Pandemievergangenheit ist eine enorme Vielfalt an Seuchen- und Pandemietexten entstanden, die nicht nur an die Tradition bereits bestehender Narrative anknüpfen (vgl. Witthaus 2021, 86ff.), sondern ganz eigene multiperspektivische Narrative entwickeln – so zum Beispiel Isabel Allende mit Violeta (2022) oder Agustina Bazterrica in Cadáver exquisito (2017). 

Besonders (aber nicht ausschlie?lich) im Bereich der Literatur- und Medienwissenschaft entsteht so ein enormes Potenzial aufzuzeigen, wie das Erz?hlen von Krankheit und Gesundheit tief mit sozialen Kategorien wie gender, class, race, age, disability, Religion und anderen verflochten ist. Erz?hlungen von Krankheit stellen oft mehr als die blo?e Schilderung k?rperlicher Symptome dar – sie ?ffnen den Blick für soziale Ungleichheiten und systemische Machtverh?ltnisse. 

M?gliche thematische Linien für die Einreichung von Vortragsvorschl?gen k?nnten die folgenden sein; besonders ermutigt werden jedoch Einreichungen zu intersektional ausgerichteten Projekten, die sich mit den Beziehungen von Mehrfachdiskriminierung und Krankheit/Gesundheit/Medizin auseinandersetzen:

  • Gender, Sexualit?t und Krankheit: Geschlechts- und sexualit?tsspezifische Unterschiede in der Darstellung von Krankheit und Gesundheit, geschlechtsspezifische Perspektiven auf einzelne medizinische Ph?nomene

  • Literarische/mediale Auseinandersetzungen mit race und der Erfahrung von Krankheit: Postkoloniale und intersektionale Perspektiven auf medizinische Ph?nomene, bspw. auch im 188bet亚洲体育备用_188体育平台-投注*官网 zu europ?ischen (o. ?.) Perspektiven, racial bias, post- und dekoloniale Gesundheitsnarrative, Zusammenh?nge von Migration/Flucht und Gesundheit, …

  • Krankheit und soziale Klasse: Literarische und mediale Darstellungen von Gesundheit in ?konomisch und bildungstechnisch benachteiligten Kontexten, obstetrische Gewalt, …

  • ?kologische Narrative: Umwelt und Gesundheit im Spannungsfeld von Literatur und sozialen Ungleichheiten, Zusammenh?nge von Individuum und Kollektiv, Perspektiven aus New Materialism und Human-Animal-Studies, …

  • Disability Studies und Literatur/Medien: Zusammenh?nge von Behinderung, Krankheit und Gesundheit in Literatur und Medien, Konstruktionen von Behinderung als Krankheit, Reclaiming von Behinderung, soziale Modellierungen, Perspektiven der ?narrative prosthesis‘, ?normate subject position‘ oder der ?aesthetic nervousness‘, ….

  • Religion, Spiritualit?t und Krankheit: interkulturelle und religi?sen Perspektiven auf das Zusammenspiel von Glaube und Gesundheit, religi?se Perspektiven auf medizinische Praktiken, …

  • Krankheit als Metapher: literarische Repr?sentationen von Krankheit als Symptom gesellschaftlicher Krisen, Verbindung der Bildbereiche von Krieg/Kampf und Krankheit, Tierwelt und Krankheit, …

  • K?rper, Alter und Krankheit: Alterungsprozesse, k?rperliche und mentale Ver?nderungen und ihre literarische und mediale Darstellung in Verbindung mit weiteren sozialen Kategorien 

  • Medizinische Technologien und ihre literarische Reflexion: Organtransplantation, genetische Diagnosen, künstliche Intelligenz in der Medizin etc.

  • Psychische Krankheit und literarische/mediale Darstellungen: Verhandlungen der Grenzen und Zusammenh?nge physischer und psychischer Gesundheit, psychosomatische Ph?nomene, Darstellungen psychischer Erkrankungen wie PTBS, Depression, intergenerationale Traumata, …

  • Gesundheitspolitik, Biopolitik und Pandemie: mediale und literarische Reaktionen auf Gesundheitskrisen, Pandemien und Epidemien in Vergangenheit und Gegenwart, politische und soziale Formung von und Erwartungen an K?rper und Gesundheit, Perspektiven auf das Gesundheitssystem (z.B. verschiedene Formen des bias und der systematischen Diskriminierung – neben obigem racial bias bspw. auch medical weight bias), …

Bewerbung

Wir laden Forscher:innen der Literatur-, Kultur-, Medienwissenschaft, Kunst- und Medizingeschichte, Kulturanthropologie, Soziologie und benachbarter Disziplinen ein, ihre Beitr?ge zu den Verknüpfungen von Erz?hlungen über Krankheit und sozialen Kategorien zur Diskussion zu stellen. Schwerpunkte sollen auf den Literaturen, Gesellschaften und Medien der Romania, der Anglosph?re und des deutschsprachigen Raumes des 19., 20. und 21. Jahrhunderts liegen – auch Einreichungen zu Untersuchungen von Gegenst?nden anderer Herkunft sind jedoch willkommen!

Hauptarbeitssprache(n) der Tagung sind Deutsch und Englisch, Beitr?ge in davon abweichenden Sprachen, z.B. den romanischen Sprachen, sind nach Rücksprache mit den Organisator:innen ebenfalls m?glich. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aller Qualifikationsstufen sind herzlich eingeladen, Beitragsvorschl?ge für Vortr?ge von 20 Minuten L?nge einzureichen. Bitte senden Sie bei Interesse ein Abstract (ca. 300 W?rter zzgl. Literaturangaben) und kurze bio-bibliografische Angaben bis zum 15. April 2025 an medicalhumanities.bagralcm(at)uni-bamberg.de Reise- und ?bernachtungskosten werden vorbehaltlich der Finanzierungzusage anteilig übernommen; eine anschlie?ende Publikation der Beitr?ge ist geplant.